Das sind die Gewinnerinnen der CHEF:IN AWARDS 2026
Editorial

CHEF:IN AWARDS 2026 – Das sind die Gewinnerinnen

Das sind die Gewinnerinnen der CHEF:IN AWARDS 2026: (von links) Julia A. Leitner (Köchin des Jahres, Coda), Kristin Hendricks-Fuchs (Unternehmerin, Spielweg), Larissa Metz (Patissière, Vendôme), Emma Betti (Patissière, Tantris), Ilona Scholl (Gastgeberin, Tulus Lotrek), Maria Gorbatschova (Barkeeperin, Green Door Bar) und Nancy Großmann (Sommelière, Grill Royal) Judith Gilles
Von CHEF:IN 15. September 2026

Neun Frauen, sieben Kategorien, zwei Punktgleichstände: Im Foodlab Hamburg wurden zum ersten Mal Preise vergeben, die ausschließlich Frauen in der Gastronomie auszeichnen. Ein Abend, der zeigte, wie sich Exzellenz gerade neu definiert.

Es begann mit einem Tischläufer, den man essen konnte. Cannellini-Creme, Olivenöl-Caviar, Crudités, quer über die Tafel gezogen – wer etwas wollte, musste sich zu den Nachbarinnen beugen. Viki Lunds Menü war aufs Teilen angelegt, und das war keine Deko-Entscheidung. Es war die Grundhaltung des Abends, übersetzt in Essen.

Rund 110 Gäste aus Gastronomie, Handel und Medien kamen am 14. September ins Foodlab Hamburg, um die ersten CHEF:IN Awards zu erleben. Sieben Kategorien standen zur Vergabe, ausgezeichnet wurden am Ende neun Frauen. Denn in zwei Kategorien lagen die Stimmen exakt gleich.

Zweimal Punktgleichstand

Den Titel Köchin des Jahres teilen sich Sarah Hallmann von Hallmann & Klee und Julia A. Leitner vom CODA, beide aus Berlin. Die Laudatio hielt Cornelia Poletto, Botschafterin von CHEF:IN. Auch bei den Patissières ging die Auszeichnung an zwei Frauen: Larissa Metz vom Restaurant Vendôme in Bergisch Gladbach und Emma Betti vom Tantris Maison Culinaire in München.

Solche geteilten Vergaben sind in der Branche selten und werden gern als Verlegenheitslösung gelesen. Hier waren sie das Gegenteil. Die 22-köpfige Fachjury unter Leitung der Journalistin Anja Wasserbäch entschied in zwei Runden: Zuerst wurde pro Kategorie eine Shortlist nominiert, dann unter den Nominierten abgestimmt. Beide Male endete die Auszählung im Gleichstand.

Was hier eigentlich bewertet wurde

Bemerkenswerter als das Ergebnis ist der Maßstab, der zu ihm führte. Bewertet wurde nicht allein, was auf dem Teller liegt.

„Handwerkliche Exzellenz ist bei uns die Eintrittskarte, nicht die ganze Antwort. Wer eine Küche führt, in der Menschen bleiben, in der ausgebildet wird, in der es faire Dienstpläne gibt, leistet etwas, das auf keinem Teller sichtbar wird und die Branche trotzdem stärker verändert als jede Technik." — Denise Snieguolė Wachter, Gründerin von CHEF:IN

Führung, Teamkultur, Haltung, unternehmerische Leistung: vier Kriterien, die in klassischen Restaurantauszeichnungen bestenfalls mitschwingen, hier aber ausdrücklich in die Bewertung eingingen. Damit rücken Frauen ins Bild, die gerade neue Modelle bauen – geteilte Führung, Vier-Tage-Wochen, planbare Strukturen in einer Branche, die Planbarkeit lange für ein Zeichen von Schwäche hielt.

Jurymitglieder durften nicht über Betriebe abstimmen, an denen sie wirtschaftlich beteiligt sind, und ihre Entscheidungen nicht untereinander besprechen. Die Kategoriepartner hatten keinen Einfluss auf die Auswahl.

Die Preisträgerinnen

Köchin des Jahres — Sarah Hallmann (Hallmann & Klee, Berlin) und Julia A. Leitner (CODA, Berlin)

Patissière des Jahres — Larissa Metz (Restaurant Vendôme, Bergisch Gladbach) und Emma Betti (Tantris Maison Culinaire, München)

Gastgeberin des Jahres — Ilona Scholl (Tulus Lotrek, Berlin)

Sommelière des Jahres — Nancy Großmann (Grill Royal, Berlin)

Barkeeperin des Jahres — Maria Gorbatschova (Green Door Bar, Berlin)

Unternehmerin des Jahres — Kristin Hendricks-Fuchs (Romantik Hotel Spielweg, Münstertal)

Internationale Köchin des Jahres — Ana Roš (Hiša Franko, Slowenien)

Zwei Stimmen aus der Ferne

Zwei der Ausgezeichneten konnten nicht kommen. Sarah Hallmann meldete sich per Video, Ana Roš ebenfalls – die Slowenin, deren Hiša Franko längst zu den international meistdiskutierten Häusern zählt, war zugeschaltet, während ihr Preis im Foodlab auf der Bühne stand. Die Trophäen selbst kamen von Zwiesel Fortessa, mundgeblasen, jede ein Einzelstück.

Durch den Abend führte Muschda Sherzada. Die Laudationes hielten Anja Wasserbäch, Katharina Wechsler, Rosina Ostler, Julia A. Leitner, Felicitas Then, Denise Snieguolė Wachter und Cornelia Poletto – die zum Amuse Dosenravioli servieren ließ, veredelt mit Kaviar aus dem Altonaer Kaviar Import Haus. Ein Gag mit Ansage: Wer über Exzellenz spricht, darf sich nicht zu fein sein.

Die Zahl dahinter

Der Grund für all das steht in einer einzigen Statistik. Von 339 MICHELIN-Sternerestaurants in Deutschland werden 15 von Frauen geführt. Das sind 4,4 Prozent.

Ein Award ändert diese Zahl nicht. Aber er verschiebt, worüber gesprochen wird – und er macht sichtbar, dass die Talente da sind, in jeder Position, von der Patisserie bis zur Bar. Am Ende des Abends ging es in der Air Bar 13 weiter, und die Gespräche drehten sich weniger um Preise als um Dienstpläne, Ausbildung und die Frage, wie man Menschen in dieser Branche hält.

Genau darum ging es.


Die CHEF:IN Awards 2026 wurden präsentiert von OpenTable. Alle Preisträgerinnen und Nominierten unter chefin.watch. Fotos: Judith Gilles.