Eine Mutter. Eine Tochter. Ein Restaurant. Und die Frage, ob es bleibt.
Ein Video auf Social Media geht viral, Millionen Aufrufe – und plötzlich steht ein kleines chinesisches Restaurant in Edinburgh im Fokus: das China Star. Was nach einer schnellen Erfolgsgeschichte aussieht, ist in Wirklichkeit die Geschichte von drei Frauen: einer Großmutter, die ihr Wissen weitergegeben hat, einer Mutter, die sich ein Leben in der schottischen Gastronomie aufgebaut hat – und Lisa, der Tochter, die eigentlich gehen wollte und nun zurückkehrt.
Lisa, als dein Video viral ging – war das geplant?
Überhaupt nicht. Dem Restaurant ging es schon länger nicht gut, eigentlich seit ich vor ein paar Jahren nach London gezogen bin. Meine Mutter hat den Laden seitdem allein geführt – Service, manchmal Küche. Als ich über Ostern zurückkam, hatte ich keinen Plan. Ich dachte: Ich dokumentiere ein bisschen meinen Alltag. Gleichzeitig hatte ich dieses Gefühl, dass meine Mutter hier allein kämpft.
Deine Mutter Sophie Li hat den Betrieb selbst aufgebaut?
Ja. Sie hat als Spülkraft angefangen, später im Service gearbeitet und sich alles selbst erarbeitet. In dem Jahr, in dem ich geboren wurde, hat sie das Restaurant übernommen. Die chinesische Community in Edinburgh ist klein, man kennt sich – aber den Laden hat sie im Kern allein aufgebaut. Als Frau war das nicht einfach.
Du bist in diesem Umfeld groß geworden. Wie hast du das erlebt?
Ambivalent. Es gab schöne Momente, vor allem mit den Gästen. Aber es war auch sehr fordernd. Wir hatten sieben Tage die Woche geöffnet, keine Feiertage, keine Pausen. Viele aus meiner Generation entscheiden sich bewusst gegen die Gastronomie, weil sie genau das erlebt haben.
„Für sie war das Restaurant nicht nur ein Job, sondern die Grundlage für unser Leben hier."
Warum bist du jetzt zurückgekommen?
Weil ich an Ostern gesehen habe, was sie allein stemmen muss. Und sie wird älter. Das Restaurant wirft durch Lieferdienste etwas ab, aber nicht genug, um es langfristig zu halten.
Hat sich eure Beziehung verändert?
Ja, sehr. Am Anfang wollte meine Mutter nicht, dass ich aus London zurückkomme und helfe. Sie kennt die Belastung. Aber seit das Video viral gegangen ist, hat sich etwas verschoben. Sie liest die Kommentare, sieht die Unterstützung. Ich glaube, sie ist stolz.
Gibt es etwas, das euer Restaurant besonders macht?
Vor allem unsere Rezepte. Meine Großmutter war Ärztin für chinesische Medizin in China und hat eine eigene Gewürzmischung entwickelt, dreizehn Zutaten. Damit machen wir unsere Frühlingsrollen. Das Problem: Wir haben nur noch begrenzte Vorräte. Und das Rezept ist verloren, weil meine Großmutter gestorben ist.
Drei Generationen Frauen haben dieses Restaurant geprägt. Was bedeutet dir das?
Meine Großmutter hat uns Wissen weitergegeben, das bis heute Teil unseres Essens ist. Meine Mutter hat darauf ein Leben aufgebaut, unter Bedingungen, die nicht einfach waren. Und ich muss jetzt entscheiden, wie es weitergeht.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen den Generationen. Meine Mutter hat durchgehalten, weil es keine Alternative gab. Ich habe die Möglichkeit, anders darauf zu schauen – und Dinge zu verändern.