Clara Hunger: Die, die das Tanktop jetzt erst recht trägt
Clara Hunger hat gegen Tim Mälzers besten Mann gewonnen und eröffnet jetzt ein Popup in seiner Bullerei. Über eine Köchin, die Chefin sein will — aber nur ihre eigene.
Die Szene, in der das Bild dieser Köchin in den deutschen Medien entstand, dauerte ungefähr drei Sekunden. Clara Hunger stand im Taubenkobel im Burgenland, hatte gerade einen Teller zum Verkosten gereicht und trug dazu ein weißes Tanktop. Die Sendung war Kitchen Impossible. Hunger kochte im Team Max Strohe gegen Tim Mälzers Küchenchef Sebastian Brugger. Sie gewann. Am Tag nach der Ausstrahlung berichteten mehrere deutsche Boulevardmedien nicht über das Essen, sondern über die Kleidung.
Auf die Outfit-Debatte angesprochen: „Da kommt bei mir eher so ein Kampfgeist raus", sagt sie. „Ich ziehe das halt jetzt jedes Mal an, wenn ich in der Öffentlichkeit bin."
Der Umweg als Methode
Am 20. April eröffnet Hunger in der Küche ihres ehemaligen Ausbilders ein Popup, das option heißt. Zwölf Tage, dann ist es vorbei. Die Methode: Kein Haus, sondern eine Zwischennutzung. Keine Expansion, sondern ein Ausflug in fremde Küchen. Kein Vertrag über Jahre, sondern ein Zeitrahmen mit Enddatum.
„Nein, würde ich nicht machen. Weil ich was Eigenes machen will. Und vor allem will ich meine eigenen Entscheidungen treffen können."
Der Satz fällt schnell, ohne Höflichkeitsschleife. Er ist bemerkenswert, weil er in direktem Widerspruch zu der Geschichte steht, die über Hunger geschrieben wird: Die Ex-Azubi kehrt zum Lehrmeister zurück. Hunger nutzt die Bühne. Aber sie macht sich dort nicht heimisch.
Zu früh, zu privilegiert, zu laut
Sie sei in einer privilegierten Position gewesen, sagt sie. Früh in Restaurants, wo die Chefs bekannter waren als sie selbst. Aber: „Man darf sich auch selbst sagen, dass man dafür gearbeitet hat. Obwohl mir das manchmal schwerfällt, weil ich so ein bisschen dieses Hochstaplerinnen-Syndrom habe."
„Macht mich schon traurig. Weil das so eine Machtlosigkeit ist. Du kämpfst die ganze Zeit dagegen an."
Die Küche, in der sie den Fehler kennenlernte
2020 arbeitete sie wenige Monate im Tian, dem vegetarischen Sternerestaurant von Paul Ivić. „Dir wird in der Ausbildung immer gesagt: Nein, das darfst du nicht machen, das ist ein Fehler. Und im Tian arbeiten sie damit." Für Hunger sei das eine Einladung gewesen, die eigene Ausbildung infrage zu stellen. „In der Kreativität gibt es keine Fehler."
Auf die Frage, gegen was sie koche, überlegt Hunger länger als bei den meisten anderen Fragen. Dann sagt sie: „Gegen feste Strukturen. Gegen eine Fehlerkultur."
Clara Hunger, Jahrgang 1994, aus Friedrichshafen am Bodensee. Ihr Popup option lief vom 20. April bis 1. Mai 2026 in der Bullerei in Hamburg.