Hannah Kleeberg, Herrlich Dining
Porträt — Berlin

Hannah Kleeberg: Butter, Wut und Kartoffelsalat

Hannah Kleeberg hat aus Liebeskummer, einer WG-Küche und einem Therapeuten-Rat ein kulinarisches Studio gebaut, das Google, Adidas und Dua Lipa buchen. Jetzt ist ihr erstes Buch erschienen. Ein Porträt.

Finn Dubbled
Von Denise Wachter 29. April 2026

An ihrem ersten Tag in der Gastronomie trug Hannah Kleeberg zehn Gläser Champagner auf einem Tablett durch einen vollen Raum. Sie stolperte über einen Mantel, der über einer Stuhllehne hing – und dann lag alles auf dem Boden. Eine Kollegin kniete sich neben sie, sammelte die Scherben auf und flüsterte: "No one saw anything."

Kleeberg erzählt diese Geschichte im Vorwort ihres ersten Buches „Herrlich Hosting". Sie erzählt sie nicht als Panne, sondern als Erweckungsmoment. „Diese Welt, in der man sich beschützt, in der man miteinander den Boden wischt und miteinander die Scherben aufsammelt", sagt sie, „das hat meine Liebe zum Gastgeben geweckt."

Vom Liebeskummer zum kulinarischen Studio

Ihre Therapeutin sagt einen Satz, der sich als folgenschwer erweisen wird: Kanalisiere all diesen Schmerz, all diese Wut, all diese Traurigkeit in ein Projekt. Stattdessen räumte sie ihr WG-Zimmer leer, stellte einen Tisch rein, bat ihre Freunde, sich hübsch anzuziehen, und baute ein Fake-Portfolio auf.

„Ich war so wütend und so traurig, in jedem Ausmaß. Ich glaube, da war irgendeine Energie freigeschaltet, die etwas unbedingt wollte."
— Hannah Kleeberg

2022 gründet sie Herrlich Dining, mit 25 eine GmbH. 2024 eröffnet sie in Neuköll das Herrlich Studio, ein Pop-up-Restaurant für ein Jahr. „Das Beste, was da passiert ist: Es kamen so viele Mütter. 50-jährige Frauen, die erzählt haben, ihre Töchter hätten ihnen das gezeigt."

Fun Dining statt Fine Dining

Herrlich Dining ist schwer in einen Begriff zu packen. Sie inszeniert Essen als ästhetisches Erlebnis: Kleiderbügel aus Baguettes. Weihnachtsbäume aus Kohl, aus denen später Kimchi wird. Vasen aus Eis. Ihr Credo: Fun Dining statt Fine Dining.

Was Kleeberg macht, ist Teil einer größeren Verschiebung. Essen hat sich neben Mode, Beauty und Design als Ausdrucksmedium für persönlichen Stil etabliert. Kleeberg nennt die New Yorker Food-Künstlerin Laila Gohar als großes Vorbild.

Das Buch

„Herrlich Hosting", 256 Seiten, Hardcover, ist kein Kochbuch im klassischen Sinn, obwohl 75 Rezepte darin stehen. Kleeberg nennt es ein „Unterhaltungsbuch, das gute Laune macht". Erhältlich über herrlichdining.com.

Auf die Frage, welche ihrer vielen Rollen ihr am seltensten zugetraut werde, zögert sie kurz. „Unternehmerin. Das wird oft ersetzt durch Content Creatorin." Sie sei eine Content Creatorin, kein Problem damit. „Ich würde mir nur wünschen, dass vor allem von Männern öfter wahrgenommen wird, dass ich ein erfolgreiches Unternehmen leite."