Mona Schrader: Erst der Vertrag, dann die Gefühle
Mona Schrader und Tony Hohlfeld führen das Jante in Hannover als Paar — und als Unternehmer. Was klingt wie ein Rezept für Chaos, hat sich als eine der klügsten Entscheidungen ihres Lebens erwiesen. Ein Porträt über Vertrauen, klare Domänen und die Frage, wer eigentlich das Restaurant leitet.
Es gibt eine Szene, die viel über Mona Schrader erzählt. Ein Gast kommt ins Jante, aufgeregt, gehetzt, hat zehn Minuten lang keinen Parkplatz gefunden. Der Abend, auf den er lange gewartet hat, fühlt sich schon verloren an, bevor er begonnen hat. Schrader hört zu, nickt, sagt: „Ich kenne das." Und dann: „Jetzt sind Sie ja da. Jetzt fangen wir an."
Danach trinkt der Gast seinen Aperitif. Und vergisst den Parkplatz.
Das ist keine Technik, die man im Service-Handbuch nachlesen kann. Es ist eine Haltung. Und es ist die Haltung, die das Jante seit zehn Jahren trägt – neben dem, was Tony Hohlfeld in seiner Küche auf den Teller bringt.
Mona Schrader ist Sommelière, Mitgründerin, Geschäftsführerin und Mutter. Wenn man sie fragt, welcher dieser Titel am besten passt, antwortet sie ohne Pause: Gastgeberin. „Das bin ich auch für meine Mitarbeiter", sagt sie. „Ich versuche ihnen ein tolles Arbeitsumfeld zu schaffen." Gastgeberin als Weltanschauung, nicht als Berufsbeschreibung.
Das Prinzip Vorher
Was das Jante von vielen Partnerschafts-Restaurants unterscheidet, ist eine kleine, aber entscheidende Chronologie: Die Verträge kamen zuerst. Tony Hohlfeld und Mona Schrader gründeten das Restaurant 2015, also bevor sie ein Paar waren. „Die Verträge wurden geschrieben, als die Gefühle noch keine Rolle spielten", sagt Hohlfeld.
Das klingt unromantisch. Es ist das Gegenteil. Denn was dabei entstand, war eine Grundlage, die keine Rücksichten kennt und keine Gefälligkeiten. Wer was entscheidet, wer welchen Bereich verantwortet, wer im Zweifel das letzte Wort hat – all das war geregelt, bevor Zuneigung die Urteilsfähigkeit trüben konnte.
Heute funktioniert das Modell über eine simple Formel: Hohlfeld hat die Küche. Schrader hat den Saal. Und den Weinkeller.
Vertrauen als Betriebsmodell
„Wirkliches Vertrauen. Nicht die Variante, die man sich in einem Vier-Augen-Gespräch zusichert."
Was gibt ihnen diese Partnerschaft, was eine rein professionelle Zusammenarbeit nicht könnte? Schrader denkt kurz nach. „Vertrauen", sagt sie dann. „Wirkliches Vertrauen." Nicht die Variante, die man sich in einem Vier-Augen-Gespräch zusichert. Die andere: die, die entsteht, wenn zwei Menschen buchstäblich alles teilen – das Restaurant, die Krisen, den Sohn, die schlaflosen Nächte nach dem zweiten Lockdown.
Schrader lacht, wenn sie gefragt wird, wer von beiden die Nerven behält. „Es gibt Situationen, da bin ich die Unbeschwertere", sagt sie. „Und dann habe ich auch meine Momente, in denen ich sage, nee, das müssen wir anders machen." Ein Gleichgewicht, das sich nicht erzwingen lässt.
Was sie nicht brauchen
Nach zehn Jahren Jante gibt es kein Kochbuch-Imperium. Keinen zweiten Standort. Keinen Catering-Arm. Was es gibt: ein Restaurant, das nach einem Jahrzehnt noch dasselbe Haus ist, das es immer war. Nur besser.
Es ist eine Entscheidung, die beide gemeinsam getroffen haben. Und das ist der entscheidende Unterschied zu vielen Geschichten über Frauen in der Spitzengastronomie: Im Jante ist Mona Schrader nicht das Drumherum. Sie ist die Hälfte.
Abends, wenn der letzte Gast gegangen ist, isst Schrader zuhause ihr Brot an der Spüle. Manchmal nimmt sie die Butter aus dem Restaurant mit. Selbstgemacht, natürlich.